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Betteln


Was veranlasst Menschen in Deutschland dazu, sich in Fußgängerzonen oder vor Kirchen zu setzen und um Geld zu bitten? Welche Schicksale stehen dahinter? Stimmt die Behauptung, einige der Bettler gehörten organisierten Gruppen an? Sind die Sammler von Leergut wirklich auf das Pfandgeld angewiesen? Kennen die Betroffenen nicht die Möglichkeiten staatlicher Unterstützung? Reicht diese nicht? Scheuen die Menschen den Gang zu den Ämtern? Wie soll man auf Bettler reagieren? Wäre ihnen mit etwas anderem als Bargeld besser geholfen?


Diskussionen

  • MichaelOe ist dafür
    +1

    Was ist überhaupt „Betteln“? Wo beginnt es? Wenn Leute auf der Straße musizieren, gaukeln usw. und dafür Geld einnehmen, ist das in jedem Fall betteln, auch wenn man sich bei der Stadtverwaltung eine Genehmigung geholt hat und womöglich dafür bezahlt? Oder ist es erst betteln, wenn man teilnahmslos herumsitzt, irgendwelches Zeug labert und den Hut bzw. die Mütze vor sich liegen hat. Oder beginnt das Betteln bereits, wenn man lediglich den Anschein erweckt (etwa durch ärmliche Kleidung, unrasiert), ein Bettler zu sein?

    Und wer ist ein „Bettler“? Einer, der keine Arbeit hat, obwohl er arbeiten will und Angst hat, auf das Sozialamt zu gehen, weil irgendein arroganter Beamtenbüffel ihn als „Volksschmarotzer“ ins Internet stellen könnte und daher lieber auf die Straße geht? Oder ein Arbeitsloser, der in einer windschiefen Kate auf einem teuren Grundstück wohnt und daher bei den Behörden nicht als bedürftig gilt, jedoch nicht bereit ist, sein Anwesen zu verkaufen, um dann in eine gesichtslose Mietwohnung zu ziehen? Oder jemand, der sich illegal im Land aufhält? Oder die Frauen, die morgens samt Kleinkindern (manchmal nicht einmal den eigenen Kindern) von den Ehemännern, die ohne wirkliche Arbeit den Staat bis aufs Äußerste schröpfen, im dicken Mercedes in die Stadt zum Betteln gekarrt werden und abends wieder abgeholt werden (junge Frauen mit Kleinkindern erwecken bei der Bevölkerung mehr Mitleid)? Leute, die bereits vom Staat Geld bekommen, jedoch mehr Geld benötigen für Alkohol, Drogen usw.? Man weiß wirklich nie, ob es sich um „echte“ Bedürftige handelt oder ob die Bedürftigkeit nur vorgetäuscht wird. Ich gebe normalerweise (in Deutschland oder der Schweiz) nie einem Menschen was, weil ich annehme, daß in diesen Staaten echte Bedürftige, die nichts illegales getan haben, nicht betteln, sondern vom Staat bereits unterstützt werden. Im Gegenteil! Manch ein Schweizer traut sich nicht mehr auf die Straße, wenn es ihm finanziell schlechter geht als sonst. „Die Leute“ könnten bemerken, daß sie nicht mehr so oft neue Kleidung und Schuhe tragen als früher. Das könnte manch einen anderen dazu bewegen, die Freundschaft aufzukündigen (was ein Zeichen dafür ist, daß es keine wirkliche Freundschaft war). Was anderes ist es, wenn Bettler ausgezeichnete Musiker sind. Dann bekommen sie das Geld eben nicht, weil sie bedürftig sein könnten, sondern wegen ihrer Leistung. Man steckt ja auch einer tüchtigen Kellnerin oder Friseuse mal ein Trinkgeld zu, obwohl sie ja in der Regel nicht bedürftig sind.

    Als Chemiker in einem mittelständischen Schweizer Chemie- und Pharmaunternehmen bin ich wirklich nicht bedürftig, im Gegenteil. Auch lebe ich überaus sparsam, und ich setze mich auch nicht auf die Straße, um mit dem Hut Geld zu sammeln (ich besitze nicht einmal einen Hut, und ich vermisse ihn auch nicht). Trotzdem wurde ich schon mehrfach von Polizeischergen mit einem Bettler verwechselt, nur weil ich im Winter barfuß und in kurzen Hosen am Bahnhof auf einen Zug wartete. Besonders schäbig verhielten sich die Bahnpolizisten in Bellinzona, ein Bahnsteigscherge im Bahnhof Offenburg sowie die Kalkmützen der Bundespolizei im Stuttgarter Hauptbahnhof. Soll ich mir als qualifizierter Akademiker mit nicht erguttenbergtem Doktortitel nur deswegen wärmere Kleidung anziehen (und mich zu Tode schwitzen) nur um keinen Ärger mit den selbstherrlichen Ordnungshütern mit Hilfsarbeiterqualifikation und dem Intelligenzquotienten eines Zwiebacks beugen? Nein!

  • Ich finde, dass die Banden der Bettler die Spendenbereitschft gründlich versaut haben. Ich gebe gar nichts mehr außer denen die gute Musik machen und keinen Crash Kurs mit einem verstimmten Akkordeon absolvierten.

  • Das ist ein gutes Thema. Auch wenn es schon mal im ZeitMagazin vorkam, als Selbstversuch zweier Journalisten, die in einem reichen Vorort Frankfurts betteln gingen. Dazu gehört auch: Wie gehen wir mit bettlern um? Was macht es mit uns, wenn wir geben oder nichts geben? Wie sehen die verschiedenen ethischen Lehren das Problem und welche Lösungen gibt es? oder nicht

    • Rosavillosa ist dafür
      +1

      Ja, an diesen Selbstversuch erinnere ich mich; ich glaube, er erschien kurz vor Weihnachten im Ressort Dossier. Den Artikel fand ich auch gut, die von Ihnen genannten interessanten Aspekte kamen darin aber zu kurz. Und der Selbstversuch war eben eher ein Spiel, wenn auch ein ehrenhaftes und ernst gemeintes. Viel mehr interessieren mich aber die verschiedenen echten Bettler.

  • Meiner Erfahrung nach gibt es verschiedene Arten von Bettlern. Ich zähle jetzt einmal zwei auf: a) Obdachlose auf den Straßen, die durch den sozialen Rost gefallen sind, b) u.a. rumänische organisierte Banden, die - wenn sie sich unbeobachtet fühlen - die Krücke lässig unter den Arm nehmen und quietschfidel eine Zigarette rauchen. Wenn dann wieder ein Schwung Passanten vorbeizieht, humpeln sie mit Leidensmiene daher...

    • Mich interessieren alle diese verschiedenen Arten von Bettlern. Wie kann es passieren, dass bei uns Menschen durch den sozialen Rost fallen? Sind sie selbst schuld? Muss man ihnen nicht trotzdem helfen? Wie? Und wie sind diese Banden eigentlich organisiert? Sind deren Mitglieder selbst Opfer? Wie leben sie?

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