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Ein Velohelmobligatorium darf nie kommen!


Wer beim Autofahren ohne angelegtem Sicherheitsgurt erwischt wird, wird saftig gebüßt. Wer auf dem Motorrad beim Fahren keinen Motorradhelm trägt, wird ebenso von der Polizei um einiges Geld erleichtert (eine Motorradkombi dagegen ist - noch – nicht vorgeschrieben). Das gleiche gilt auch für Motorroller und Mofas. Wer beim Fahren auf dem (motorlosen) Fahrrad keinen Helm trägt, wird (zumindest im deutschsprachigen Raum) nicht von der Polizei belangt. Lediglich wenn es zu Unfällen mit Kopfverletzungen kommt, drücken sich manche Versicherungen beim Bezahlen. Manche Radfahrer tragen grundsätzlich einen Helm, auch wenn sie nur zum Bäcker fahren. Andere tragen ihn nur bei weiteren Strecken. Dann gibt es Velofahrer, die den Helm lediglich beim Fahren mit dem Mountainbike oder Rennvelo aufsetzen, im Straßenverkehr aber nie. Und es gibt Leute, die aus Prinzip keinen Helm tragen und an Anlässen, bei denen ein Helm vorgeschrieben ist, gar nicht erst teilnehmen. Ich selber besitze zwar einen Velohelm, habe ihn jedoch nur bei einigen Radsportveranstaltungen getragen, wo es ohne Helm nicht erlaubt war. Heute habe ich kein Interesse mehr an Radsportveranstaltungen, aber ich benutze nach wie vor gerne mein Velo, etwa auf dem Weg zur Arbeit, zum Einkaufen, für Tagestouren bis hin zu mehrwöchigen Urlaubstouren mit viel Gepäck. Nie trug ich dabei einen Helm. Nie hatte ich einen schweren Unfall mit ernsthaften Verletzungen, lediglich leichte Hautabschürfungen nach Stürzen (und erst eine Kollision mit einem Auto - Totalschaden am Velo, keine Verletzungen). Nun gibt es Leute, die nach einem Velohelmobligatorium schreien, manche für ein absolutes für alle Personen, manche für eines, das lediglich für Kinder bis 14 Jahre gilt, und manche wollen zwar für Kurzstrecken keinen Helmzwang wollen, wohl aber für längere Strecken. Und was Bußen anbelangt, da wollen manche Leute, daß die Polizei dort ähnlich repressiv vorgehen soll wie gegenüber Gurtenmuffeln. Andere dagegen meinen, daß die Polizeischergen keine Bußen verhängen sollen. Meine Meinung: Wenn ein Velohelmobligatorium per Gesetz vorgeschrieben ist, dann müssen diejenigen, die dagegen verstoßen, auch belangt werden. Ansonsten ist es kein Obligatorium, sondern eine Empfehlung. Noch komplizierter wird die Durchsetzung eines Obligatoriums mit Einschränkungen. Wenn nur Kinder bis 14 Jahren einen Helm tragen müssen, wie will die Polizei wissen, ob jemand ohne Helm bereits über 14 Jahre alt ist? Einen Ausweiszwang gibt es ja nicht. Und woher will ein Polizist wissen, ob jemand nur zum Bäcker will oder ca. 20 km fahren will. Wird die Polizei hinterher fahren, um zu sehen, ob der Velofahrer die Wahrheit gesprochen hat? Oder ist das Ganze nur ein fieser Winkelzug, daß man eigentlich nicht für alle ein Obligatorium einführen wollte, es aber leider tun müsse, um den bürokratischen Aufwand nicht unnötig erhöhen zu müssen? Wem nützt der Helm? Sicher ist er nützlich bei Massensportveranstaltungen, bei denen man aufs äußerste gehen muß, um einen Spitzenplatz zu bekommen. Im normalen Straßenverkehr schützt er manchmal vor Kopfverletzungen bei Stürzen, aber nur, wenn man den Helm richtig aufsetzt. Wenn man ihn falsch aufsetzt, wird die Verletzungsgefahr größer. Wenn man mit dem Velo unter eine Straßenbahn gerät, nützt der Helm überhaupt nichts. Leider fühlen sind manche Velofahrer mit Helm (speziell Jugendliche) „unverwundbar“ und fahren entsprechend riskanter. Wo stört ein Helm? Wenn etwa eine Frau vom Friseur kommt, ist sie sicher nicht bereit, ihre Frisur durch Aufsetzen eines Helms gleich wieder zu vermohren. Und der Berufspendler, der mit dem Velo von der Wohnung zum Bahnhof fährt und dann weiter mit dem Zug (und im Beruf einen Anzug trägt), würde weder den Helm am Bahnhof auf dem Velo lassen (dort wird er geklaut), noch im Zug den Helm sichtbar mitschleppen, da ein Helm bei einem velofahrenden Anzugträger kein Aufsehen erregt, wohl aber (ebenso wie Hosenklammern) bei einem Anzugträger weit abseits vom Velo. Es gibt Staaten, in denen es ein Velohelmobligatorium gibt, z.B. Neuseeland. Dort hat der Veloverkehr abgekommen. Was würde passieren, wenn auch im deutschsprachigem Raum ein Helmobligatorium eingeführt wird und Helmmuffel gebüßt werden? Die bisherigen Immer-mit-Helm-Fahrer würden weiterhin Velo fahren, die Ab-und-zu-mit-Helm-Fahrer würden immer einen tragen. Aber was würden die bisherigen Helmmuffeln machen. Einige würden es sicher drauf ankommen lassen und weiterhin ohne Helm fahren. Andere würden vielleicht lustlos den Helm aufsetzen. Aber gerade dieser Personenkreis ist gefährdeter, weil diese Leute den Helm so aufsetzen würden, wie er am bequemsten ist, nämlich falsch. Die Mehrzahl der Helmmuffel würde aber auf das gesunde Velofahren verzichten und stattdessen das Auto (und in selteneren Fällen den öffentlichen Verkehr) benutzen. Dieses führt zum unnötigen Mehrverkehr an Autos, speziell für Kurzstrecken zum Bäcker. Helmabstinente Berufspendler, die heute mit Velo und Bahn zur Arbeit fahren, würden wahrscheinlich überwiegend mit dem Auto zur Arbeit fahren und nicht mit dem 4rad zum Bahnhof und weiter mit Offtopic-Fahrzeugen. Gerade Kurzstreckenfahrten mit dem 4rad sind besonders umweltschädlich (es entstehen weniger Schadstoffe, wenn man mit dem Auto eine 20 km lange Strecke fährt als wenn man zehnmal eine 2 km lange Strecke fährt). Ebenso würden manche Autofahrer etwa bei Überholen einen geringeren Seitenabstand zum überholten Velo einhalten, weil sie glauben, daß die behelmten Velofahrer „geschützt“ sind. Insgesamt würde ein Velohelmobligatorium erhebliche Mehrkosten führen; - Höherer Benzinverbrauch durch mehr Autofahren, verbunden mit mehr Abgasen und Lärm - Mehrkosten infolge Straßenausbau, um den Mehrverkehr aufzunehmen - Mehrkosten infolge mehr Unfällen (sowohl zwischen Autos untereinander und zwischen Autos und Velos) - Mehrkosten für Krankenkassen wegen mehr übergewichtigen Personen Wollen wir das? Wem nützt dieses? Höchstens den Herstellern und Verkäufern von Velohelmen. Da aber die Hersteller und Verkäufer von Helmen und Velos oft miteinander vernetzt sind, und man mit Velos mehr verdienen kann als mit Velohelmen, dürfte die Freude der Helmhersteller am Helmobligatorium sich in Grenzen halten. Und natürlich würde es die leeren Stadtkassen auffüllen, wenn die Polizisten unbehelmten Velofahrern eine Buße aufbrummen können. Unbehelmte Velofahrer wären ein gefundenes Fressen für unsere überbezahlten und unterbeschäftigten Ordnungshüter. Aber im Grunde genommen sind die Mehreinnahmen an Bußen Peanuts und können die oben genannten Mehrkosten niemals kompensieren. Aus welchem Personenkreis stammen eigentlich die Menschen, die nach einem Helmobligatorium schreien? Wohl überwiegend sind es Leute, die selber niemals Fahrrad fahren, sondern für jeden Weg über 100 Meter das 4rad benutzen und im Gebäude den Lift statt die Treppe. Und wenn solche Menschen an den Schalthebeln der Macht sitzen, dann gute Nacht! Ich habe absolut nichts gegen Velohelme. Wer sich damit sicherer fühlt, soll ihn aufsetzen. Wir sind doch mündige Bürger und können selber entscheiden, ob und wo wir den Helm aufsetzen und wo nicht. Diesen Entscheid lassen wir uns nicht von irgendwelchen Beamtenbüffeln abnehmen. Wir lassen uns nicht entmündigen! Darum darf es niemals zu einem Velohelmobligatorium kommen, verbunden mit Geldbußen! Eine Empfehlung dagegen darf es dagegen bleiben. Somit werde ich weiterhin ohne Helm fahren, wenn ich kein Verlangen danach habe. Genauso wie ich beim Velofahren kurze Hosen trage und dabei barfuß bin, wenn die Witterung danach ist.


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